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Nüchtern betrachtet 2006
 
„Nüchtern betrachtet“ - Bericht über eine  erfolgreiche Aktion

ALKOHOL wird aufgrund seiner variantenreichen und vielseitigen Geschmacksrichtungen durchaus geschätzt und  in der Regel als Genussmittel bezeichnet.

Aufgrund seiner sicherlich allen bekannten Wirkungsweise und vielfältigen Einsatzmöglichkeiten, hat er im Lebensalltag seinen mehr oder weniger festen Platz eingenommen.

ALKOHOL - ist ein hervorragendes Lösungsmittel!
Er löst:
Familien
Ehen
Freundschaften
Arbeitsverhältnisse
Bankkonten
Leber- und Gehirnzellen auf.

Aber er ist absolut ungeeignet zur Problemlösung !!!

 

  • Aus Gewohnheit wird Abhängigkeit. Leben von Schluck zu Schluck.

  • Alkohol belebt, Alkohol nimmt die Angst.

  • Alkohol tötet: Das Selbstbewusstsein, das Selbstwertgefühl, die Familie.

Gesundheits- und Drogenberichte der Ministerien und Verwaltungen, Statistiken, die im Auftrag der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der Bzga (Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung) erhoben wurden, fördern immer wieder alarmierendes Zahlenwerk zutage.

Über 9 Millionen Bundesbürger haben einen riskanten Alkoholkonsum, darunter sind 4,5 Millionen Menschen klinisch auffällig.

Alkoholismus ist eine anerkannte Krankheit. Die Suchtentwicklung kann durch Veranlagung und durch frühkindliche Erfahrungen begünstigt werden.

Übereinstimmend berichten alle trockenen Alkoholiker, dass der Übergang zur Abhängigkeitserkrankung fließend war und nicht bemerkt wurde.

Die Bezirke Schöneberg-Tempelhof, Steglitz-Zehlendorf und Friedrichshain-Kreuzberg sowie das Diakonische Werk Berlin-Stadtmitte e.V., die Stiftung SPI, das Blaue Kreuz und die Fachstelle für Suchtprävention im Land Berlin (pad e.V.) wollten den besorgniserregenden Tendenzen unserer Stadt tatkräftig entgegentreten.

Sie haben die landesweite Kampagne „Nüchtern betrachtet“ zur Alkoholprävention ins Leben gerufen, die dazu aufrief, im Monat November auf Alkohol zu verzichten und dann nach erfolgreicher Abstinenz an einer Verlosung teilzunehmen.

 „Nüchtern betrachtet“ trinkt fast jeder von uns Alkohol. Kaum jemand macht sich über seinen eigenen Konsum Gedanken.

„Nüchtern betrachtet“ liegt genau darin der Sinn und Zweck der Kampagne:

Wir möchten erreichen, dass die Bürgerinnen und Bürger mit ihrem Alkoholkonsum bewusster umgehen, das sie sich mit anderen austauschen und für das Thema sensibilisiert werden.

„Nüchtern betrachtet“ möchten wir dem einen oder anderen neue Erfahrungen ermöglichen, was es z.B. bedeutet, auf einer Familienfeier mal keinen Alkohol zu trinken. Spaß und Freude ist auch ohne Alkohol möglich.

Eingefahrene Gewohnheiten und automatisierte Abläufe, das Feierabendbier, den Wein zum Essen, „keine Feier ohne Alk“  können „Nüchtern betrachtet“, hinterfragt werden und zu neuen Erkenntnissen führen.

Ich kann mir gut vorstellen, dass sich die Vorbildfunktion gegenüber den Kindern verändern kann.

Eltern bekommen so die Gelegenheit mit ihren Kindern über Alkohol zu reden und  ein Problembewusstsein zu entwickeln. Gleichzeitig sehen die Kinder, dass ihre Eltern nicht unbedingt Alkohol trinken müssen.

Und vielleicht gibt es den einen oder anderen der ganz mit dem Trinken aufhört oder in seinem Abstinenzbestreben unterstützt wird.

Außer zahlreichen Presseinformationen, einer Pressekonferenz und des informellen Auftaktes anlässlich der Gesundheitstage Friedrichhain-Kreuzbergs im Viktoriapark, verteilten wir die gedruckten Flyer „Nüchtern betrachtet“ großzügig in der ganzen Stadt und darüber hinaus.

Am 27. Oktober 2006 wurde die Aktion medienwirksam vor dem Brandenburger Tor präsentiert. Die Akteure der Bezirke beantworteten viele Fragen der Bevölkerung und luden zur Teilnahme an der Aktion ein.

Somit wurde „Nüchtern betrachtet“ in ganz Deutschland und im benachbarten Ausland bekannt. Die Einsendungen der erfolgreichen Teilnehmer/innen ließen diese Rückschlüsse zu.

Es sind 531 Einsendungen erfolgt, dabei waren Frauen und Männer gleichermaßen vertreten.

Die Abschlussveranstaltung im Schöneberger Rathaus wurde mit  ca. 250 Besuchern ein voller Erfolg. Die Band Trock`n Roll sorgte für gute Stimmung. An Informationsständen der Bezirke, Sponsoren und Freien Träger wurden Materialien und hilfreiche Gespräche angeboten. Für das leibliche Wohl war auch gesorgt.

Neben den Grußworten der Bezirksstadträtinnen Frau Klotz (Tempelhof-Schöneberg), Frau Loth (Steglitz-Zehlendorf), und dem Bezirksstadtrat Herr Mildner-Spindler (Friedrichshain-Kreuzberg) wurden u.a. Zahlen und Fakten zum Thema Alkohol von Frau Schütze (Vors. Blaues Kreuz) dargestellt.  Hauptbestandteil der Veranstaltung war die Ziehung der Preisträger unter den erfolgreichen Teilnehmern an der Aktion „Nüchtern betrachtet“. Einige der Gewinner waren anwesend und berichteten über ihre durchweg positiven Erfahrungen im alkoholfreien November 2006.

Diese Kampagne soll keine Eintagsfliege bleiben. Es wird wieder eine solche Aktion angestrebt und hoffentlich die erfolgreichen Teilnahmen der Bevölkerung mindestens verdoppelt.

Da Sie uns die Teilnehmer des Arbeitskreises „Nüchtern betrachtet“ als verantwortungsvolle Bürgerinnen und Bürger sicherlich wahrgenommen haben, wollen wir diese Situation auch dazu nutzen, um notwendige suchtpolitische Forderungen zu formulieren:

  1. Hauptanliegen ist ein umfassendes Verbot von Tabak- und Alkoholwerbung in unmittelbarer Umgebung von Schulen und Kindertagesstätten.
  2. Ein Werbeverbot in Verbindung mit Sport und Prominenz.
  3. Anhebung der Altersgrenze auf 18 Jahre (bisher 16) beim Erwerb und Konsum von Bier und Wein.
  4. Ein steuerähnlicher Aufschlag auf alkoholische Getränke (hat bei Alcopops hervorragend funktioniert).
  5. Wir halten die Etablierung eines suchtmittelfreien Tages (1X jährlich) für erforderlich und wünschenswert.

 

Dagmar Schütze
(Vors. Blaues Kreuz i. D. e.V. LV Berlin-Brb.)

Flyer Nüchtern Betrachtet 2006